Artenvielfalt auf Muschelkalk

Die Muschelkalkkuppen stellen ein besonders reizvolles Landschafts­element im Übergang der Mechernicher Voreifel zur Zülpicher Börde dar. Die orchideen- und enzianreichen, südexponierten Wiesen und Weiden heben sich durch ihre bunte Artenvielfalt innerhalb der weitgehend ausgeräumten, intensiv genutzten Agrarlandschaft ab. (Header-Foto oben: Rauhwollige Pommernschafe als Landschaftspfleger)

Der Biesberg ©Achim Schumacher

Vom Buchenwald zum Kulturbiotop

Nach Rodung der ursprünglich dort wachsenden Orchideen-Buchenwälder sind diese Offenland-Lebensräume vor mehreren Jahrhunderten durch Schafbeweidung entstanden. Diese Kulturlandschaft muss heute durch eine extensive Mahd oder Beweidung erhalten werden, sonst erobert sich insbesondere das Schlehengebüsch rasch den Lebensraum zurück.

Die Biologische Station kümmert sich daher seit 1999 intensiv um den Erhalt der Halbtrockenrasen. Über das Fördermodul „Vertragsnaturschutz“ war es möglich, Landwirte für die extensive Nutzung und Pflege zu gewinnen. An steilen Hanglagen und im Kampf um die immer wieder vordringenden Schlehenausläufer wird den Landwirten dabei viel Handarbeit abverlangt. Ein vollständiger Düngeverzicht, ein später Mahdzeitpunkt, ein wechselnder Mahdrhythmus und eine reduzierte Anzahl von Weidetieren ermöglicht es auch spätblühenden Arten wie dem Deutschen Enzian oder dem Steppenfenchel, bis zur Samenreife zu gelangen.

Für die arbeitsintensive Bewirtschaftung auf ertragsarmen Standorten in Steillage steht den Landwirten eine finanzielle Unterstützung über das Kulturlandschaftsprogramm (Vertragsnaturschutz) zur Verfügung.

Die Biologische Station führt entsprechend den landesweiten Vorgaben ein regelmäßiges Monitoring im Gebiet durch, um den Erhaltungszustand zu dokumentieren. Dazu zählt neben Flora und Vogelwelt auch das Schlingnattermonitoring. Begleitend werden jährlich aktiv Pflege-Maßnahmen umgesetzt. So werden regelmäßig die artenreichen Wegsäume gepflegt, Verbuschungen beseitigt, Pufferzonen in die extensive Landwirtschaft überführt, Obstbäume geschnitten und nachgepflanzt, Steinbrüche freigestellt etc.

Lebensraum für Spezialisten

Die südexponierten, kalkhaltigen und flachgründigen Rendzina-Böden der Kalkmagerrasen erwärmen sich rasch, trocknen daher aber auch schnell aus – ein Lebensraum für Spezialisten wie beispielsweise die Fliegen-Ragwurz. Diese heimische Orchidee zählt zu den Sexualtäuschblumen: durch Blütenblätter in Form einer Wespe und Aussenden eines Sexualhormons lockt die Fliegen-Ragwurz männliche Grabwespen an.

Fliegenragwurz ©Achim Schumacher

Den ersten großen Blühaspekt im Frühjahr liefert die Küchenschelle: sie ist durch das enthaltene Protoanemonin für Mensch und Tier giftig und wird daher von Weidetieren gemieden - wie viele andere Pflanzen auch, z.B. der schlecht schmeckende Enzian oder der stachelige Feldmannstreu sowie die Golddistel.

Küchenschelle

Anfang Juni dominiert das auffällige Purpurrot der Mücken-Händelwurz den Blühaspekt. Sie ist durch den bis zu 2 cm langen, abwärts gebogenen Sporn leicht von den Knabenkraut-Arten zu unterscheiden. Durch den langen, schmalen Sporn ist der Nektar nur Schmetterlingen zugänglich.

Mücken-Händelwurz ©Achim Schumacher