Biostation Düren: Biologische Station im Kreis Düren e.V.

Geschichte der Biber in der Eifel

1981: Die Rückkehr
Nach der fast weltweiten Ausrottung des Bibers im 19. Jahrhundert gab es in Europa nur noch Restbestände des weltweit zweitgrößten Nagetieres. Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts versuchte man in mehreren europäischen Ländern, den Biber durch Wiederansiedlungen in seinen ehemaligen Lebensräumen wieder heimisch zu machen. In der Eifel begann die Wiederansiedlung ab 1981. Nach einer Voruntersuchung möglicher Lebensräume in der Eifel wurden am 15. Oktober 1981 in vorbereitete Baue bei Hürtgenwald drei Biberpaare freigelassen. Sie stammten aus der Zuchtstation der polnischen Akademie der Wissenschaften, in der sie zuvor bereits ein Jahr lang paarweise getrennt gelebt hatten. Die Tiere wurden in Privat-PKW in speziellen Käfigen aus Polen in die Eifel gebracht. Zuvor wurden die Tiere genauestens untersucht und mit Ohrenmarken versehen.
In der ersten Nacht hatten alle Paare ihre Bauten geöffnet und erkundeten bereits ihren neuen Lebensraum. Doch schon nach wenigen Tagen gab es erste Probleme.
Ein Männchen und ein Weibchen aus zwei benachbarten Paaren hatten sich zu einem neuen Paar zusammengefunden, sodass nun das übrige Männchen und das übrige Weichen alleine waren.
Nach einiger Zeit errichteten die Tiere eigene Erdbauten und gaben die vorbereiteten Baue auf. Außerdem stauten die Biber den Bach zunächst nicht auf, sondern begannen damit, ihre Wintervorräte anzulegen. Das führte dazu, dass es im Umkreis des Baches zu starken Fraßtätigkeiten kam. Auch die Fluchtdistanz zum Menschen wurde rasch größer, da die freigelassenen Biber schnell verwilderten.

1982/83 – Die Zitterpartie
Im zweiten Jahr wurde leider das einzeln lebende Weibchen auf einer Landstraße überfahren, sodass es nun nur noch fünf Biber gab. Doch im Sommer konnten erste Jungbiber beobachtet werden. Zahlenmäßig ging es also mit den Bibern leicht bergauf. Ein Paar errichtete wegen des sommerlich bedingten niedrigen Wasserstands einen ersten, großen Damm und eine Knüppelburg. Allerdings wechselten die Biber noch oft ihren Standort.
Im dritten Jahr konnte sich die standorttreue Familie erneut vermehren, sodass die Kolonie nun aus acht Bibern bestand. Ein einzelnes Alttier wanderte jedoch vom Freilassungsort ab und siedelte sich 9 km entfernt an der oberen Kall bei Simmerath an. Nach der Ohrmarke konnte das Tier als Weibchen identifiziert werden. Es wurde nach anfänglich glücklosen Fangversuchen in seiner neuen Umgebung belassen.

1984 – Weitere Unterstützung
Im vierten Jahr setzte man zum Biberweibchen an der Kall ein polnisches Männchen aus der Zuchtstation hinzu. Das Paar blieb auch zusammen. An der Weißen Wehe setzte man ein weiteres Männchen aus. Leider wurden in diesem Jahr auch wieder zwei tote Jungbiber gefunden, doch ging man Ende 1985 von insgesamt 12 Bibern im Gebiet aus.

Die Folgezeit – Etablierung und Ausbreitung
In den Folgejahren konnten sich die Biber weiter ausbreiten. Die ortstreue Familie an der Weißen Wehe blieb weiterhin ihrem Gebiet treu und vermehrte sich weiter.
Durch eine Schneidezahnanomalie bei den freigelassenen Bibern wurden zwischen 1986 und 1989 weitere Biberverluste gemeldet. Aus diesem Grund entschied man sich 1989, erneut vier weitere Biber freizulassen. Diesmal handelte sich um Wildfänge.
Nach den anfänglichen Schwierigkeiten konnten sich die Biber in den Folgejahren zunehmend in den Bachtälern des Hürtgenwaldes ausbreiten. Diese Ausbreitung geht bis heute weiter. Bis 2006 hatten die Biber nahezu das gesamte Einzugsgebiet der Rur besiedelt – von der Rurquelle in Belgien bis zur Mündung in den Niederlanden. Dort haben die „Eifelbiber“ inzwischen Kontakt zur freigelassenen Biberpopulation in Roermond. Daher wird heute vermutet, dass es in wenigen Jahrzehnten eine große euregionale Biberpopulation im gesamten Maasgebiet geben wird. Der Gesamtbestand im Maaseinzugesgebiet (Belgien, Luxemburg, Niederlande, Frankreich, Deutschland) beläuft sich auf bereits ca. 2000 Tiere.

Der Biber: Ein Anpassungskünstler
Die rasche Ausbreitung der Biber zeigt deutlich ihre gute Anpassungsfähigkeit. Entlang der Rur besiedeln sie Mühlenteiche, Stau- und Baggerseen, bewirtschaftete Teiche wie Klär- und Schönungsteiche sowie Lebensräume direkt in der Stadt Düren. Dort, wo ihm der Lebensraum noch nicht zusagt, kommt der Biber seiner Aufgabe als Landschaftsgestalter nach. Auch in seinem ursprünglichen Wiederansliedlungsgebiet staut der Biber Flüsse und Bäche auf, fällt Bäume und lässt auf diese Weise neue Lebensräume durch seine Biberteiche entstehen. Davon profitieren zahlreiche andere Arten wie Vögel, Amphibien, Fische und Insekten.

Resümee
Das Wiederansiedlungsprojekt des Bibers in der Eifel war also ein großer Erfolg. Nach den anfänglichen Startschwierigkeiten konnte der Biber ein starkes Come-Back in unserer Region feiern. Bei dem 2009 durchgeführten „Biber-Zensus“ wurde mit freiwilligen Helfern und der Biologischen Station Düren im Kreis Düren 62 aktive Biberreviere festgestellt, sodass man für 2010 von etwas mehr als 200 Bibern im Kreis Düren ausgehen kann. Der Gesamtbestand in der Großregion dürfte etwa 300 Tiere umfassen.

Einen Überblick der sehr wechselvollen gemeinsamen Geschichte von Mensch und Biber gibt ein Artikel in der Kölnder Zoo Zeitschrift:

Dalbeck, L.(2012): Die Rückkehr der Biber – eine Erfolgsgeschichte des Artenschutzes.- Zeitschrift des Kölner Zoos · Heft 4/2012
pdf-Version des Artikels