Biostation Düren: Biologische Station im Kreis Düren e.V.

Die Mauereidechse: sonnenhungrig und agil

Männliche Mauereidechse beim Sonnenbad
Männliche Mauereidechse

Selten und doch oft zahlreich – diese zunächst widersprüch wirkende Aussage charakterisiert eine der bemerkenswertesten Tierarten im Kreis Düren: Die Mauereidechse Podarcis muralis LAURENTI, 1768. Denn nur wenige, für sie besonders geeignete Stellen sind in NRW von der kleinen, flinken Eidechse besiedelt. Doch dort, wo sie vorkommt, kann sie durchaus eine häufige und leicht zu beobachtende Erscheinung sein.

Am Rande des Areals
Eigentlich kommt sie aus dem Mittelmeergebiet – genauer aus Italien. Von dort aus ist sie nach der Eiszeit bis in die Eifel vorgedrungen. Die nördlichsten Vorkommen befinden sich zur Zeit in der Nordeifel und in Maastricht. Im Rurtal im Kreis Düren liegt das landesweit größte Vorkommen der Eidechse. Hier bewohnt sie vor allem voll besonnte, nach Süden exponierte Felsen, also die wärmstmöglichen Stellen – wie es sich für eine Südländerin gehört.

Schieferfels in der Rureifel
Schieferfels mit typischer Vegetation

Am Rande des Abgrundes?

Als wahre Kletterkünstlerin kann die Mauereidechse in den von ihr bevorzugten schroffen Felslandschaften selbst senkrechte Felswände mühelos erklimmen. Da diese ihr besonders zusagenden Lebensräume selten sind, sind die aktuellen Vorkommen der Mauereidechse meist weit voneinander entfernt. Und das bedeutet ein hohes Aussterberisiko, denn sollte einmal eines der kleinen Vorkommen erlöschen, können keine Eidechsen aus der Umgebung nachrücken.

Daher hat die Biologische Station zusammen mit der Landschaftsbehörde des Kreises Düren das Projekt
“Wärmestandorte im Mittleren Rurtal”
ins Leben gerufen. Ziel ist es einen Verbund aus geeigneten Lebensräumen für die besonders wärmebedürftigen Tierarten zu schaffen. Die Mauereidechse ist nur eine dieser wärme- und trockenheitsbedürftigen – xerothermen – Arten. Viele dieser Tiere sind wie die Mauereidechse Relikte einer einst wärmeren und zeitweise trockeneren Klimaphase nach der letzten Eiszeit.

Restfläche eines fast zugewachsenen Steinbruchs
Restfläche eines fast zugewachsenen Steinbruchs

Ein dankbares Projekt

Mit der Umsetzung von Maßnahmen konnte dank der Förderung durch die HIT-Umwelt- und Naturschutz Stiftung einiges bewegt werden: geeignete Flächen konnten gesucht, Eigentümer kontaktiert und von den Maßnahmen überzeugt und dann Maßnahmen umgesetzt werden. Zahlreiche Menschen haben sich bisher beteiligt – und weitere Maßnahmen sollen in den kommenden Jahren folgen.

Schiefersteinbruch nach Freistellung
Schiefersteinbruch nach Freistellung

Lohnendes ehrenamtliches Engagement

An einigen Stellen bekamen die wärmeliebenden Tiere auch tatkräftige, ehrenamtliche Unterstützung. Im Rahmen des Naturschutz aktiv haben wir Freistellungsmaßnahmen umsetzen können

Besonders geeignet für Maßnahmen sind stillgelegte Steinbrüche, die es überall im Rurtal gibt. Durch hochgewachsene Bäume sind sie inzwischen weitgehend beschattet, können jedoch recht einfach freigestellt werden. Ganz nebenbei kommen auch kulturhistorisch interessante Bereiche, wie alte Legsteinmauern wieder zum Vorschein.

Überraschender Erfolg: Schling- und Ringelnattern im freigestellten Steinbruch
Erfolg: Schling- und Ringelnattern im freigestellten Steinbruch

Überraschender Erfolg

Vom raschen Erfolg der Maßnahmen waren wir selbst überrascht. Waren wir es gewohnt, dass es mehrere Jahre dauert, bis die ersten der wärmeliebenden Eidechsen, Schlangen und Insekten die neuen Lebensräume finden, ging es in diesem Projekt sehr schnell: Manche der Flächen waren schon wenige Monate nach den Maßnahmen von den erhofften Tieren besiedelt. Und nicht nur das: Gerade die Mauereidechse pflantzte sich schon im ersten Jahr erfolgreich fort – ein ermutigendes Ergebnis.

Mehr über die Mauereidechse und andere Reptilien in der Rureifel finden Sie in unseren Wissenschaftlichen Fachpublikationen

Logo der Hit Umwelt Stiftungs GmbH